Foto: © ZDF/Sven Bender
Dieser Mann hat viele Seiten. In weit über 100 Filmen hat Hannes Jaenicke (49) bisher mitgespielt – vom Agenten im Steven-Seagal-Thriller "Halbtot" (2002) bis zum Arzt in der TV-Serie "Post Mortem" (2007). Zuletzt machte er auch als Tierschützer auf sich aufmerksam. In TV-Dokus setzte er sich für den Schutz bedrohter Tiere wie Orang-Utans, Haie und Gorillas ein. Jetzt zeigt er in "Hannes Jaenicke im Einsatz für die Eisbären" (8.9., 20.15 Uhr, ZDF) einen realistischen Blick auf das Leben von Knut und Co. Dafür reiste er bis in die Arktis nach Kanada. Hier sein Tagebuch, Teil 1:
Tag 1: Oktober 2008
Gemeinsam mit Judith Adlhoch, der Regisseurin, Markus Strobel, meinem Co-Produzenten und Kameramann, Felix Hoch, unserem Line Producer, und Sven Bender, dem Tonmann und Fotografen, reisen wir nach Berlin um dem "Poster Child" des Klimawandels, dem nebst Mickey Mouse und Bambi wohl berühmtesten Tier der Welt einen Besuch abzustatten: Knut. Wir fahren zum Zoo, es herrscht tristes Nieselwetter, schleppen unser Equipment zum Gehege und erwarten den Anblick des süßen kleinen Medienstars vor zahllosen Fans. Ganz anders: das Gehege scheint leer, kein Bär oder Besucher weit und breit. Wir sehen uns irritiert um. Haben sie Knut verlegt? Verkauft? Woanders untergebracht?
Sämtliche Schilder besagen das Gegenteil. Markus baut das Stativ auf und befestigt seine Kamera darauf. Und plötzlich erscheint in einem Höhleneingang ein mittelgroßer Bär mit schmutzig-grauem Fell, sieht zu uns hinüber, entdeckt die Kamera und tapst zum Wassergraben, der das Gehege von den Zuschauern trennt. Am Graben angekommen richtet er sich auf, setzt sich auf seine Hinterbeine und winkt direkt in die Kamera. Das also ist er. Mittlerweile 3 Jahre alt, 250 Kilo schwer, und 'verwaist', weil sein Pfleger kürzlich verstorben ist. Und mutterseelenallein in seinem Gehege.
Knut ist offenbar so degeneriert, dass er wie ein Zirkustier Männchen macht für uns und anschließend rastlos den Kopf hin und her schwingt, vermutlich ein Symptom für Lauf-Stereotypie. Was für ein trauriger Anblick. Und wie weit weg vom Verhalten und Leben, das seine letzten verbliebenen Artgenossen in der Arktis führen. Ich mache ein paar Aufsager, als Intro für unseren Film über Eisbären, globale Erwärmung, Polkappen-Schmelze. Und freue mich auf unsere Reise ins nördliche Kanada, wo wir diese großartigen Tiere in der Wildnis filmen werden. Oder was davon übrig ist.
Artikel vom 18. August 2009
Autor: Foto: © ZDF/Sven Bender - Mike Powelz
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