«Flocke geht voraussichtlich weg», bestätigt der stellvertretende Zoodirektor Helmut Mägdefrau die Anfrage unserer Zeitung und fügt hinzu: «Wir haben von Anfang an gesagt, dass Flocke wahrscheinlich nicht immer in Nürnberg bleiben wird.» Die Haltung der Eisbären in europäischen Zoos wird über das Europäische Erhaltungszucht-Programm (EEP) geregelt. Zuständig dafür sind die EEP-Koordinatoren, die im Zoo von Amsterdam sitzen. Sie planen laut Mägdefrau, dass Rasputin und Flocke in den nächsten Jahren zusammenbleiben sollen. «Die zwei verstehen sich gut», sagt Mägdefrau, deshalb sei das auf jeden Fall eine Entscheidung im Sinn der beiden Tiere.
Noch sind Flocke, die am 12. Dezember zwei Jahre alt wird, und ihr einige Wochen jüngerer Spielgefährte Rasputin sozusagen im Teenager-Alter. Ob sie später ein richtiges Paar werden, das zusammen für Nachwuchs sorgt, bleibt abzuwarten.
Wann genau die beiden Nürnberg verlassen, steht noch nicht fest – irgendwann Anfang des nächsten Jahres wird es wohl so weit sein. Die Tiergartenleitung will den Termin nicht öffentlich bekanntgeben. «Wir möchten einen Medienrummel vermeiden, wie es ihn in Stuttgart gegeben hat, als Wilbär in einen Bärenpark nach Schweden abtransportiert wurde», erklärt Mägdefrau die zurückhaltende Informationspolitik. Er verrät auch noch nicht, wo Flocke und Rasputin hinziehen werden. Mit Sicherheit werde es nicht Madrid sein. Für den Zoo in der spanischen Hauptstadt war Rasputin zwar ursprünglich bestimmt. Doch dort soll nun gar keine Eisbären-Anlage mehr gebaut werden, weil die Sommer in Spanien für die Haltung von Eisbären zu heiß sind. Die Betreiber-Gesellschaft, die mit dem Bau der Anlage beauftragt sei, richte nun in einem anderen Zoo ein Eisbären-Gehege ein. Ob das die spätere Heimat von Flocke und Rasputin wird, dazu äußert sich Helmut Mägdefrau allerdings nicht.
Kommt Eisbär Felix wieder zurück?
Und wie soll es am Schmausenbuck mit der Eisbären-Haltung weitergehen? «Wir wollen mit Vera (der Mutter von Flocke, die Red.) wieder züchten. Dafür bekommen wir über das EEP einen Eisbären-Mann», sagt der stellvertretende Zoochef. Im Tiergarten sähe man es am liebsten, wenn Felix, der Vater von Flocke, wieder nach Nürnberg käme.
Es stehen aber mehrere Eisbären-Männer zur Debatte. Felix könnte ausscheiden, falls die EEP-Koordinatoren in Amsterdam zu dem Schluss kommen, dass die Blutlinie, der Felix angehört, in europäischen Zoos bereits zu stark verbreitet ist. «Wir müssen die Entscheidung abwarten», meint Mägdefrau, «das Wohlergehen und der Gesamtbestand der Eisbären in Europa haben Vorrang vor unseren Interessen.»
