Nach dem Tod von Tierpfleger Dörflein: 

netzeitung.deBeklemmende Stille am Eisbärengehege

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Fotos von Dörflein und Blumen liegen vor Knuts Käfig (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fotos von Dörflein und Blumen liegen vor Knuts Käfig
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Gewöhnlich jubeln hier Kinder ihrem Liebling zu, doch nun trauern die Besucher vor dem Käfig von Knut. Und im Internet-Kondolenzbuch des Berliner Zoos bringen Menschen im Minutentakt ihre Gefühle zum Ausdruck.

Das Eisbärengehege des Berliner Zoos hat sich in einen Ort der Trauer verwandelt. Grablichter und weiße Rosen bedecken den Boden, Kinderzeichnungen und Briefe klemmen am Zaun, einige Zeilen sind vom Dauerregen bereits verwischt.

Einen Tag nach dem plötzlichen Tod von Tierpfleger Thomas Dörflein betrachten Dutzende Besucher schweigend den auf und ab wandelnden Eisbär Knut. Gewöhnlich jubeln hier Kinder ihrem Liebling zu, am Dienstag ist es beklemmend still am weltberühmten Eisbärengehege. Die Nachricht vom Tod des erst 44 Jahre alten Dörflein, der durch die Handaufzucht des kleinen Knut bekannt wurde, hat Bestürzung und Trauer ausgelöst.

«Unsere Gedanken sind jetzt bei der Familie, den Angehörigen und Freunden unseres langjährigen Kollegen», sagt Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz. Zu Spekulationen über eine schwere Krankheit Dörfleins kann er keine Angaben machen. Der Zoo wisse nichts von einer Erkrankung, der Tierpfleger habe sich in letzter Zeit auch nicht krank gemeldet.

Die von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion der Leiche schafft am Dienstag schließlich Klarheit über den rätselhaften Tod des noch recht jungen Mannes. Am Nachmittag steht fest, dass Dörflein an einem Herzinfarkt gestorben ist. Eine frisch gebildete Thrombose habe zur mangelhaften Blutversorgung des Herzens geführt.

Dankbarkeit, Wut, Verzweiflung
Bereits einen Tag nach der Todesnachricht hat der Zoo im Internet ein Kondolenzbuch eingerichtet. Dort bringen Menschen im Minutentakt ihre Gefühle zum Ausdruck. Dankbarkeit, Wut, Verzweiflung und Trauer sprechen aus den Zeilen. Die Einträge zeugen von der Popularität des Mannes, der den kleinen Eisbären mit der Flasche aufzog.

Unter die Stimmen von zahllosen Berlinern mischen sich Kommentare aus Frankreich, Griechenland und Belgien. Mit diesem Rummel um seine Person habe sich Knuts Ziehvater nie anfreunden können, sagt Zoodirektor Blaszkiewitz. «Thomas Dörflein war ein überaus bescheidener Mensch. Er mochte es nicht, in der Öffentlichkeit zu stehen.» Darum habe er Preise wie die Goldene Henne abgelehnt.

Auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, übermittelt der Familie Dörfleins seine Anteilnahme. «Thomas Dörflein, ein Tierpfleger aus Passion, hat die Herzen der Menschen in Berlin und weit über unsere Stadt hinaus erobert.» Knuts Ziehvater habe Berliner Geschichte geschrieben, «ob er wollte oder nicht». (Viktoria Schiller, AP)