07.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Wo gehts hier nach Alaska?
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Eisbär in Alaska müsste man sein: Das Tier bekommt die Küste als besonderes Schutzgebiet zugesprochen. Grund dafür ist nicht nur das Abschmelzen der Eisdecke, das die Existenz des Bären bedroht.
Die USA wollen vor der Küste Alaskas besondere Schutzgebiete für Eisbären ausweisen. Darauf einigte sich die Regierung am Montag mit zwei Umweltschutzgruppen, die im März Klage gegen Innenminister Dirk Kempthorne eingereicht hatten. Darin hatten sie ihm vorgeworfen, eine zugesagte Frist zum Schutz von Eisbären verpasst zu haben, um die Ölförderung vor Alaska nicht zu beeinträchtigen.
Der Eisbär wurde am 14. Mai von der US-Regierung als bedrohte Tierart eingestuft. Der Einigung zufolge müssen die Schutzgebiete bis spätestens 30. Juni 2010 verbindlich festgelegt werden. Bei der Debatte über die am besten geeigneten Regionen hat die Öffentlichkeit ein Anhörungsrecht, wie Kassie Siegel vom Zentrum für Biologische Vielfalt (Center for Biological Diversity) mitteilte.
Zweitgrößter Eis-Rückgang aller ZeitenDiese Umweltgruppe sowie Greenpeace und der Rat zur Verteidigung natürlicher Ressourcen (Natural Resources Defense Council) hatten die Klage gegen Kempthorne angestrengt. Die Ausweisung von Schutzgebieten für Eisbären, deren Lebensraum infolge der zurückgehenden Eisdecke in der Arktis immer kleiner wird, könnte zu Einschränkungen der Erdölförderung vor der Küste Alaskas führen.
Dies sei dringend notwendig, denn die Erschließung neuer Ölfelder und mögliche Ölverschmutzungen stellten neben der Erderwärmung die größte Bedrohung für Eisbären dar, betonte Siegel. Im Sommer 2007 registrierten Wissenschaftler der Universität von Colorado den zweitgrößten Rückgang des Eises aller Zeiten.
Klage auch wegen Ölförderung Siegels Zentrum für Biologische Vielfalt und die Umweltorganisation Pacific Environment reichten im Juli eine weitere Klage gegen das Innenministerium ein. Diese richtete sich gegen eine Entscheidung der Regierung, wonach die Ölkonzerne bei ihren Bohrungen die unbeabsichtigte Schädigung von Eisbären und Walrössern in Kauf nehmen können. Die Tierschützer sahen darin einen Verstoß gegen gesetzliche Vorschriften zum Schutz der beiden Tierarten und ihres sensiblen Lebensraums in der Tschuktschensee zwischen Amerika und Asien. Dieser Fall ist noch nicht beigelegt.
Daneben laufen in Washington insgesamt fünf Verfahren, in denen gefordert wird, den Eisbär von der Liste bedrohter Tierarten zu streichen. Eine dieser Klagen wurde vom Staat Alaska eingereicht - auf Anweisung von Gouverneurin Sarah Palin, der republikanischen Kandidatin für die Vizepräsidentschaft. In der Tschuktschensee leben etwa 2.000 der rund 25.000 Eisbären der Arktis. Außerdem stellt dieses Randmeer nach Angaben von Biologen den Lebensraum von nahezu der gesamten weiblichen Population des Pazifischen Walrosses dar. (AP)