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Tierwelt

Knut, Flocke und der Artenschutz

VON Gunther Immenhoff, 13.10.09, 21:59h, aktualisiert 19.03.11, 16:51h
Eisbär Knut
Eisbär Knut ist längst zum stattlichen Raubtier geworden. (FOTO: DPA)
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Halle (Saale)/MZ. Der Medienrummel um das Eisbärenbaby Knut hat den deutschen Zoos einen schlechten Dienst erwiesen. Das meint zumindest Münchens scheidender Zoodirektor Henning Wiesner. "Knut in Berlin und Flocke in Nürnberg haben der Idee Zoo mehr geschadet als genützt", erklärte er. "Jetzt sehen wir uns Vorwürfen ausgesetzt, wir würden Jungtiere nur deshalb züchten, um möglichst viele Besucher anzulocken und Geld zu verdienen." Die zentrale Aufgabe der Zoos, durch Nachzüchtungen zum weltweiten Artenschutz beizutragen, werde damit konterkariert, erklärte er. Tierparks in aller Welt werden laut Wiesner durch den rasanten Niedergang vieler Tierarten immer mehr zur modernen Arche Noah.

Einspruch, Herr Direktor! Gerade Knut ist ein schlechter Kronzeuge für Ihre Sorge um den Ruf der Zoos. War es nicht gerade das weiße Bärchen mit Kuschelfaktor, das Millionen Menschen dazu brachte zuzuhören, als die Forscher warnten, schon 2040 werde es im arktischen Sommer kein Treibeis mehr geben? Der uns zeigte, wie der Klimawandel den ohnehin dünnen Bestand der Eisbären bedroht?

Zugegeben. Knut hat seinen Ruhm einst als Kuscheltier erlangt. Doch längst ist er auch zu einem der erfolgreichsten Botschafter in der internationalen Debatte um den Klimawandel und das Artensterben geworden. Das wissen die Zoobesucher. Auch deshalb haben sie Knut, der inzwischen zum Raubtier herangewachsen ist, bis heute die Treue gehalten.


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