Thomas Dörflein: „Chef, muss ich da hin?“
Freitag, 26.09.2008, 18:18 · von FOCUS-Redakteur Christian WittKnuts Pfleger Thomas Dörflein ist tot, und sein Chef erinnert sich: an einen Mann, der in den letzten beiden Jahren seines Leben eine Wandlung durchmachte.
„Ich hoffe es geht dir gut, wo auch immer du gerade sein magst. Auch wenn es dir sicher nicht gefallen hätte, so in den Medien zu stehen zur Zeit, hoffe ich, du weißt, wie vielen Menschen, auch wenn sie dich nicht gekannt haben, du etwas bedeutet hast und immer noch bedeutest. Knut und du werdet euch bestimmt wiedersehen. Mit allergrößter Liebe und Hochachtung, Dani.“ Drei Tage nach dem jähen Tod des 44-jährigen Berliner Tierpflegers und „Eisbären-Vaters“ Thomas Dörflein schrieb seine Lebensgefährtin diesen letzten Gruß in das elektronische Kondolenzbuch des Berliner Zoos, das inzwischen zu einem wahren Hort der Trauer und Anteilnahme ausgewachsen hat.
Nahezu 7000 Einträge aus aller Welt zählte die Liste am frühen Freitagnachmittag, Tendenz steigend. Letzte Grüße aus den USA, Kanada, Italien, Frankreich, Holland, Schweden, Vietnam, Belgien, der Türkei und anderswo. Zu schockierend war offenbar die Nachricht vom plötzlichen Herztod dieses vermeintlich kraftstrotzenden Mannes, der sich mit zärtlicher Hand ach so rührend um die Aufzucht dieses kleinen knuffeligen Eisbären namens Knut gekümmert hatte, den seine Mutter vor 21 Monaten im Berliner Zoo verstoßen hatte, unmittelbar nach dessen Geburt.
„Er war überaus verschlossen“
Nach Dörfleins Tod wird nun allerdings erst die wahre Dimension dieser besonderen Beziehung zwischen dem kleinen Eisbär Knut und seinem Adoptiv-Menschenvater begreiflich. So war der Mann mit dem durchtrainierten Körper, dem herben Profil und dem markanten Vollbart ein Mensch, der den Kontakt zu seinen Kollegen im Zoo stets auf das Allernotwendigste beschränkte, seit er vor 23 Jahren seinen Job angetreten hatte. Kein persönliches Wort kam über Dörfleins Lippen, nie besuchte er Betriebsversammlungen oder Feiern. „Er war überaus verschlossen, selten hörte man einmal mehr von ihm, als ein guten Morgen oder Tschüss“, erinnern sich Kollegen.
Und dann kam Knut, den Dörflein am 5. Dezember 2006 mit einem Ast aus der Eisbärenhöhle und vor dessen gefährlicher Mutter gerettet und unmittelbar darauf in sein Herz geschlossen hatte. „Dank Knut hat sich Herr Dörflein sichtbar verändert. Es war wie eine Öffnung“, sagt Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz, 54. Der früher so introvertierte Pfleger plauderte auf einmal hier, oder kam nun auch völlig überraschend dort auf eine Weihnachts- oder Betriebsfeier, was Dörflein zuvor immer grundlos verweigert hatte. „Er ist durch Knut viel offener geworden“, unterstreicht Blaszkiewitz noch einmal.
„Chef, muss ich da hin?“
Seine Abneigung gegen den Medienrummel indes blieb. Wenn sich Dörflein im Freigehege mit dem Bären beschäftigte, hatte er keine Augen für die Zuschauer-Hundertschaften, die das ebenso muntere wie zärtliche Tollen von Eisbär und Ziehpapa verfolgten. Auch alle Kamerateams missachtete Dörflein und stand bestenfalls mal dem regionalen Sender RBB für eine (sach- und artgerechte) Dokumentation über die Aufzucht des knuddeligen Eisbärenbabys zur Verfügung. Der Berliner Zoodirektor: „Dörflein mochte kein Rampenlicht. Er hat sich sogar verweigert, als ihm der Bambi oder die goldene Henne für seine besonderen Verdienste verliehen werden sollten“, führt Blaszkiewitz aus. „Er hat mich nur kurz gefragt, ‚Chef, muss ich da hin?‘ Als ich verneinte, ihm aber sagte, dass so ein goldenes Bambi doch ganz was Hübsches sei und Dr. Hubert Burda dazu ein ganz wichtiger Mann, winkte er nur ab, sagte: ‘Wenn ich nicht muss, dann nicht, Danke‘.“
Ganz besonders genervt hätten Dörflein zudem etliche unwahre Geschichten der Medien. So habe eine Boulevardgazette in großen Lettern darüber berichtet, dass sich der Pfleger eigens für Knut das Rauchen abgewöhnt habe, „weil der das nicht mag.“ Komischerweise wusste bis dato niemand seiner Kollegen, dass Dörflein überhaupt Raucher war, weil er offenbar nur abseits des Zoogeländes mal dem Tabak frönte.
Kein Zweifel, der Mann hätte seine Popularität und seine Nähe zu Knut ausschlachten und vergolden, er hätte reich und eine PR-Ikone werden können. Dörflein aber hat keine Bücher veröffentlicht, keine Putenwurst, kein Eis, Gummibärchen oder Hamburger beworben, sich auch auf keine einzige Promi-Couch im Fernsehen gesetzt.
Nahezu 7000 Einträge aus aller Welt zählte die Liste am frühen Freitagnachmittag, Tendenz steigend. Letzte Grüße aus den USA, Kanada, Italien, Frankreich, Holland, Schweden, Vietnam, Belgien, der Türkei und anderswo. Zu schockierend war offenbar die Nachricht vom plötzlichen Herztod dieses vermeintlich kraftstrotzenden Mannes, der sich mit zärtlicher Hand ach so rührend um die Aufzucht dieses kleinen knuffeligen Eisbären namens Knut gekümmert hatte, den seine Mutter vor 21 Monaten im Berliner Zoo verstoßen hatte, unmittelbar nach dessen Geburt.
„Er war überaus verschlossen“
Nach Dörfleins Tod wird nun allerdings erst die wahre Dimension dieser besonderen Beziehung zwischen dem kleinen Eisbär Knut und seinem Adoptiv-Menschenvater begreiflich. So war der Mann mit dem durchtrainierten Körper, dem herben Profil und dem markanten Vollbart ein Mensch, der den Kontakt zu seinen Kollegen im Zoo stets auf das Allernotwendigste beschränkte, seit er vor 23 Jahren seinen Job angetreten hatte. Kein persönliches Wort kam über Dörfleins Lippen, nie besuchte er Betriebsversammlungen oder Feiern. „Er war überaus verschlossen, selten hörte man einmal mehr von ihm, als ein guten Morgen oder Tschüss“, erinnern sich Kollegen.
Und dann kam Knut, den Dörflein am 5. Dezember 2006 mit einem Ast aus der Eisbärenhöhle und vor dessen gefährlicher Mutter gerettet und unmittelbar darauf in sein Herz geschlossen hatte. „Dank Knut hat sich Herr Dörflein sichtbar verändert. Es war wie eine Öffnung“, sagt Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz, 54. Der früher so introvertierte Pfleger plauderte auf einmal hier, oder kam nun auch völlig überraschend dort auf eine Weihnachts- oder Betriebsfeier, was Dörflein zuvor immer grundlos verweigert hatte. „Er ist durch Knut viel offener geworden“, unterstreicht Blaszkiewitz noch einmal.
„Chef, muss ich da hin?“
Seine Abneigung gegen den Medienrummel indes blieb. Wenn sich Dörflein im Freigehege mit dem Bären beschäftigte, hatte er keine Augen für die Zuschauer-Hundertschaften, die das ebenso muntere wie zärtliche Tollen von Eisbär und Ziehpapa verfolgten. Auch alle Kamerateams missachtete Dörflein und stand bestenfalls mal dem regionalen Sender RBB für eine (sach- und artgerechte) Dokumentation über die Aufzucht des knuddeligen Eisbärenbabys zur Verfügung. Der Berliner Zoodirektor: „Dörflein mochte kein Rampenlicht. Er hat sich sogar verweigert, als ihm der Bambi oder die goldene Henne für seine besonderen Verdienste verliehen werden sollten“, führt Blaszkiewitz aus. „Er hat mich nur kurz gefragt, ‚Chef, muss ich da hin?‘ Als ich verneinte, ihm aber sagte, dass so ein goldenes Bambi doch ganz was Hübsches sei und Dr. Hubert Burda dazu ein ganz wichtiger Mann, winkte er nur ab, sagte: ‘Wenn ich nicht muss, dann nicht, Danke‘.“
Ganz besonders genervt hätten Dörflein zudem etliche unwahre Geschichten der Medien. So habe eine Boulevardgazette in großen Lettern darüber berichtet, dass sich der Pfleger eigens für Knut das Rauchen abgewöhnt habe, „weil der das nicht mag.“ Komischerweise wusste bis dato niemand seiner Kollegen, dass Dörflein überhaupt Raucher war, weil er offenbar nur abseits des Zoogeländes mal dem Tabak frönte.
Kein Zweifel, der Mann hätte seine Popularität und seine Nähe zu Knut ausschlachten und vergolden, er hätte reich und eine PR-Ikone werden können. Dörflein aber hat keine Bücher veröffentlicht, keine Putenwurst, kein Eis, Gummibärchen oder Hamburger beworben, sich auch auf keine einzige Promi-Couch im Fernsehen gesetzt.
Ein besonderer Mann mit einer besonderen Eisbären-Beziehung. Und einer Kondolenzliste, die lang und länger wird und keine Grenzen kennt.Thomas Dörflein, so der Wunsch seiner Schwester und seiner Freundin Daniela, soll am 13. Oktober in Berlin beigesetzt werden. Es wäre sein 45. Geburtstag gewesen.
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von suse-ffm
Schon die Welle um Knut war für mich unverständlich. Das nun um seinen sympatischen Pfleger ebenfalls so ein Aufheben gemacht wird, wieder so eine Geschichte. Der Mann hat seinen Job gemacht, genau wie tausende andere Pfleger auch. Wieviele Pfleger kümmern sich aufopferungsvoll um Menschen die betreut werden müssen, da kommt keine Zeile in die Medien. Sicher ist er zu früh gegangen, aber auch da ist er kein Einzelfall. Last ihn seine Ruhe finden und respektiert sein zurückgezogenes Leben. Er hätte das hier sicher nicht so gewollt! Antwort schreiben
von Brigitte Breuer
Wir möchten auch einen letzten Gruß zum Tode von Thomas Dörflein beitragen. Wir schließen uns allen Menschen an die seine Arbeit mit Knut verfolgt und bewundert haben. Wir hatten live die Gelegenheit Th. Dörflein mit Knut zu erleben. Seiner Lebensgefährtin, seiner Familie den Kollegen und dem Berliner Zoo möchten wir unsere herzliche Anteilnahme übermitteln. H. Zink und B. Breuer Antwort schreiben
von bocomp2
Jeder, der seine Arbeit ordentlich macht, müsste hier in D eigentlich ein in Stein gemeißeltes Denkmal bekommen. Dörflein auch, auf jeden Fall, auch wenn er es nicht wollte.Sonst leider nur wenige... Antwort schreiben
von edgar
Mal was anderes. Es wird ein ganz normaler Ottonormalverbraucher, der einfach seinen Job gut gemacht hat, in den Medien hoch und runter gelobt. Finde ich klasse. Sonst sind es ja immer die Seifenblasenspezialisten wie Politiker oder Möchtegernmanager oder Möchtegernexperten usw. Die meisten in diesem Land sind so. Und deshalb sind wir auch so wohlhabend und nicht wegen den Seifenblasenspezialisten Antwort schreiben
von jka
Wer gestern den TV-Bericht sah, konnte sehen welche Größe Thomas Dörflein wahrlich hatte. Vor dem Medienrummel hat er sich schon um die alte Kragenbärin Mäuschen gekümmert. Da waren keine 500 Presseteams dabei. Reden mit Kollegen? Viele wissen warum das heute oft keinen Sinn mehr macht. Auf jeden Fall sollte er uns ein Beispiel sein, für die Achtung vor Tieren, mit denen wir die Welt teilen. Antwort schreiben
von DrHorst
kann nur ein guter Mensch sein. Ob er jetzt mit Kollegen redet oder nicht ist völlig egal. Wer selber weiß, wie ehrlich und liebend die Tiere zu uns sind, der kann auch verstehen, warum er nicht so viel mit seinen Kollegen zu tun haben wollte. Leider ging er viel zu früh von uns. Ich bin sehr betroffen und trauere mit seinen Angehörigen. Antwort schreiben
von Spalter17
Ein Mann, der ruhig und bescheiden seinen Job macht und sich voll seiner Aufgabe widmet, ohne alle 2 Wochen in einer Talkshow zu sitzen oder für eine Zwischenmahlzeit Werbung zu machen. Für mich ein Licht in der Dunkelheit. Mein Beileid an die Familie. Antwort schreiben
von Tappa-tuppa
Wenn sich ein Arbeitnehmer total von seinen Arbeitskollegen über Jahre abgrenzt fehlt ihm wohl etwas. Er ist beziehungsunfähig und daher eine Gefahr für den Sozialfrieden im Betrieb. Und auf einmal wird er mit Orden und Bambis überschüttet nur weil er mit einem Eisbärenjungen kann. Leute, das ist ja schon verrückt. Von seiner "echten" Familie,den leiblichen Kindern und der Ex-Frau hört man nichts. Antwort schreiben
von Birgit/Insel Rodrigues
...auch hier 11000 km entfernt von Berlin kennt man ihn und hat mit großer Freude und Begeisterung seine tiefe Beziehung zu dem kleinen Eisbären verfolgt, die Schritte seines Wachsens , der Abnabelung und der dennoch bis zum Schluß bestehenden besonderen Beziehung. Thomas Dörflein hat der Welt etwas geschenkt, das nicht in Worte zu kleiden geht, die Welt war für fast 2 Jahre etwas menschlicher... Antwort schreiben
von Jo
das es ein so grosses mediales Interesse gab. Sonst hätte die Welt nämlich nichts von diesem Menschen und seiner Einstellung und Achtung vor Leben erfahren. Solche Menschen verdienen höchste Hochachtung. Man kann nur hoffen, dass seine Einstellung und sein Wirken bei den Menschen rund um die Welt ein wenig zum nachdenken gebracht hat. Traurig das solche wertvollen Menschen immer als erste gehen. Antwort schreiben
von Birgit /Insel Rodrigues
...selbst auf dieser 11000 km entfernten Insel im Indischen Ozean kennt man ihn und hat das Gedeihen Knuts Dank dieser wunderbaren und intensiven Beziehung verfolgt. Thomas Dörflein hat uns allen soviel gegeben - die Welt etwas menschlicher gemacht durch einen wunderbaren kleinen Eisbären, der auch als großer Eisbär Menschen froh stimmt.Wir sind sehr traurig! Antwort schreiben