Knut: Kinderstar wird Zuchtbulle

Montag, 22.03.2010, 19:07
Schluss mit lustig: Eisbär Knut wird erwachsen – und soll gleich noch Vater werden. So will es zumindest der Berliner Zoo. Ab dem kommenden Jahr soll er als Zuchtbulle eingesetzt werden.
"Er wird unser neuer Zuchtbulle“, sagte Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz genau drei Jahre nach der Weltpremiere des einst schneeweißen und rasch in der ganzen Welt bekannten Baby-Bären. Fast zehn Millionen Menschen haben seitdem den Spielen und Streichen des mittlerweile gut 300 Kilo schweren Publikumsmagneten im Zoologischen Garten zugesehen. Und das weltweite Interesse wird mit Sicherheit andauern, wenn Knut wie vom Zoo erhofft das Erbe seines Vaters Lars antritt und mit den Eisbärinnen Nancy und Katjuscha im nächsten Jahr Nachwuchs zeugt.

Damit steht auch endgültig fest, dass sich der Zoo nicht weiter um einen Verbleib der gleichaltrigen Münchener Leihbärin Gianna bemüht, mit der Knut seit September nach Teenagerart herumturtelt. Gianna wird im Herbst dieses Jahres in den Tierpark Hellabrunn zurückkehren und dort einen neuen Partner bekommen. „Knut zieht um auf die große Eisbärenanlage“, sagte der Zoo-Chef.

Eltern müssen Knut Platz machen

Dort hatte Knuts Vater Lars, der inzwischen nach Wuppertal abgegeben wurde, jedes Jahr das Eisbärinnen-Trio Tosca, Nancy und Katjuscha gedeckt. Wenn nun Knut an die Stelle seines Vaters tritt, muss allerdings Mutter Tosca in den Tierpark Friedrichsfelde im Ostteil Berlins wechseln.

Die „Knut-Story“ geht also weiter in Berlin. „Die Welt war genau dazu bereit“, sagt Zoo-Direktor Blaszkiewitz über jenen 23. März 2007, an dem mehr als 500 Journalisten aller Kontinente die Berichte und die Bilder vom tapsigen Knuddel um die Welt schickten.

Vom Irak zu Knut

„Das Phänomen Knut“ hat Blaszkiewitz zufolge zur richtigen Zeit einen Nerv getroffen. „Knut steht gegen das Böse in den Nachrichten“, sagte damals Bären-Betreuer Heiner Klös. Mitten in den Pressepulks stand ein US-Kameramann und weinte. Auf Fragen der Berliner Gastgeber sagte er, zwei Tage zuvor habe er noch den Krieg im Irak gefilmt, und er sei nur glücklich, jetzt hier in Berlin sein zu dürfen.

„Es lief alles einfach gut und positiv für uns“, bilanziert Blaszkiewitz die drei Jahre seit der Premiere. Die Besucherzahlen schossen in die Höhe, allein an Ostern 2007 kamen täglich 40 000: Ein Kreisverkehr mit Gittern wurde eingerichtet, sieben Minuten Knut-Gucken, dann rückte die nächste Gruppe vor. Die erste Million Besucher hatte Knut schon am 5. Juli erreicht, die zweite Million am 24. Oktober. Fünf Millionen – da hatte der Zoo das genaue Zählen schon aufgegeben – waren es im Sommer 2008. Auch die Konto-Daten sahen gut aus: Rund sieben Millionen Euro zusätzlich kassierte der Zoo aus Ticket- und Souvenirverkauf sowie aus Medien- und Film-Rechten.

Dörfleins Wunsch wird wahr

„Die Welt ist nicht sachlich, die Menschen brauchen das, diese Gefühle“, sagte Blaszkiewitz. Drei Elemente kämen aus psychologischer Sicht zusammen: Baby, von der Mutter verlassen – und dazu die schneeweiße Unschuld. Flankiert wurde das alles vom juristischen Streit um den am Ende von Berlin vom Tierpark Neumünster für 430 000 Euro freigekauften Knut und von nie geahnten Schicksalsschlägen, so als im September 2008 der überaus beliebte Knut-Ziehvater Thomas Dörflein den Herztod starb.
Dörfleins Vermächtnis in einem seiner letzten Interviews kann nun wahr werden: „Ich wünsche ihm, dass er mit seinesgleichen umgehen kann, vielleicht Kinder zeugt.“ Das Interesse an der Fortsetzung der Knut-Geschichten ist jedenfalls ungebrochen. „Jeden Tag erhalten wir weiter viele E-Mails und Briefe zu Knut aus der ganzen Welt“, berichtete der Zoo-Chef.
it/dpa
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Leser-Kommentare (2)
23.03.10, 13:36
Bullen bei Bären

von surfer2007

Ich wusste garnicht, dass der männliche Bär bei den Bären Bulle heißt. Nach der deutschen Sprache ist der männliche Bär einfach ein Bär und der weibliche Bär ist die Bärin. Bulle oder Stier nennt man das männliche Rindvieh.

Anm.d.Red.: Der Begriff Zuchtbulle ist in diesem Fall übertragen zu sehen: mit dem Schwerpunkt darauf, dass er zur Zucht herangezogen werden soll. Antwort schreiben

23.03.10, 00:31
Die unendliche Geschichte

von Knappo-2

Was treibt eigentlich tausende von Menschen dazu in den Zoo zu laufen und einen kleinen weissen Baeren sehen zu wollen. Kleine weisse Baeren werden laufend auch in anderen Zoos geboren, da laeuft aber niemand hin. Warum zu Knut ? Der Zoo hat Millionen gemacht und so wie bei einem erfolgreichen Film wird man die Story fortsetzen und wenn ein Knut II auf die Welt kommt, wird die Werbetrommel gedreht und der Run geht weiter. Und die Menschen werden wieder aus aller Welt anreisen und Knut II sehen wollen. Nur einen werden sie nichtmehr sehen, den Tierpfleger Doerflein aber wie im Film wird er sicher neu erfunden und ersetzt. Antwort schreiben

 
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