Kuscheltiere: Steiff holt die Teddys heim

Mittwoch, 02.07.2008, 16:51 · von FOCUS-Redakteurin
Knut als Kuscheltier von Steiff
AFP Knut als Kuscheltier von Steiff
Der schwäbische Kuscheltierhersteller Steiff verlagert seine Produktion von China zurück nach Europa. Die Knopf-im-Ohr-Tiere könnten damit bald mehr kosten.
Der Bolzen saust hinab und bohrt sich ins weiße Plüschohr. Wird Kuscheleisbär Knut etwa gequält? Nein, geadelt. Im Giengener Firmensitz in der Nähe von Ulm erhält das Plüschtier das Steiff-Markenzeichen: einen goldenen Knopf mit gelber Fahne. Nur ein beknopftes Kuscheltier ist ein echtes Steiff-Tier. Die sich neben der Maschine türmenden Kuschel-Knuts haben schon eine halbe Weltreise hinter sich: Sie werden in China produziert – das ist günstiger als in Deutschland und deshalb kostet der auf allen Vieren stehende Knut nur 19,95 Euro.

Qualitätsprobleme in China

Künftig sollen die Tiere in Deutschland, Portugal und Tunesien genäht werden, bis 2010 will der Kuscheltierhersteller seine teilweise nach China verlagerte Produktion zurück in die Heimat holen. Steiff-Geschäftsführer Martin Frechen: „Am besten machen wir Dinge, die wir selbst machen.“ Offenbar war es in China schwierig, den hohen Qualitätsansprüchen, die Steiff sich selbst setzt, zu genügen.

Dazu kommen noch die langen Lieferzeiten: Bis zu drei Monate schippern die Kuscheltiere über die Meere und fahren über Land bis sie in den Spielwarenläden ankommen. Eine zu lange Wartezeit für Verkaufserfolge wie Knut, der in nur wenigen Monaten 80 000-mal bestellt worden ist.
Mit der China-Produktion, die das Unternehmen erst 2004 startete, wollte Steiff kostenbewusste Eltern ansprechen. Für viele sind die Luxus-Kuscheltiere – etwa der 35-Zentimeter-Teddy für 129,95 Euro – zu teuer.

„Wir dürfen unsere Kunden nicht vergessen,“ sagte Firmenbeirat Friedhelm Steiff noch im vergangenen Jahr gegenüber FOCUS. „Die China-Produktion ist für das preisgünstige Segment unabdingbar.“ Es waren große Pläne für das Traditionsunternehmen. Pläne, die auch schmerzten: Allein 2005 mussten 50 Mitarbeiter in Deutschland das Unternehmen verlassen.
Die Strategie ging offenbar nicht auf. Nun wird also das schwäbische Giengen Knuts neue Heimat. Ob der weiße Kuscheleisbär künftig weiter so günstig zu haben sein wird wie bisher, ist nun fraglich. Geschäftsführer Frechen sagte bereits der „Stuttgarter Zeitung“: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass unsere Kunden für einen Steiff-Teddy gern ein paar Euro mehr bezahlen als für ein Kuscheltier der Konkurrenz.“
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Leser-Kommentare (41)
05.08.08, 13:20
Günstiglohnland Bayern

von Manfred Dietrich

Auch in Deutschland gibt es - wenn auch nicht billig - jedoch günstig - verbunden mit höchster Qualität - Fertigungsstandorte. Gerade in einer Region, wo es noch Produktionsstandorte im internationalen Wettbewerb gibt, finden sich Perspektiven - so im Landkreis Tirschenreuth, Oberpfalz - um ein Beispiel zu nennen. "Made in Germany" ist eine unumstrittene Qualitätsmarke - auch in China. Antwort schreiben

07.07.08, 12:14
Steiff holt die Teddys heim

von Hohenecker

Wenigsten hat Steiff eingesehen, das Billiglohnländer nicht die Lösung sind, wenn es um Qualität geht. Man kann nur hoffen, das andere Konzerne dem Beispiel folgen werden. Antwort schreiben

 
04.07.08, 11:08
Typisch

von harwin

Viele Unternehmen wollen an Personalkosten sparen, stellen aber dann fest, dass das Personal im Ausland anders tickt als im Inland. Ganz klare Fehlentscheidungen. Der Kunde hat nichts davon, er kommt z. B. in Call Center heraus die im Ausland sitzen und bekommt dann eine unqualifizierte Antwort. Stichwort: Service Wüste Deutschland. Mattel hatte Probleme mit giftigen Inhaltsstoffen. Wie wird es wohl Nokia ergehen? Antwort schreiben

04.07.08, 09:40
nach Hause

von Hans Müller

....kommt der Teddy nicht, er soll nach Portugal oder Tunesien, und wird dann zum Knopf ins Ohr pieksen nach Giengen gefahren. Immernoch unzählige, absolut unnötige Lkw-Kilometer. Lkw s sind trotz hohen Spritkosten und Autobahnmaut immernoch viel zu billig !! Antwort schreiben

04.07.08, 04:52
Na Holla!

von 120971

Glückwunsch an die Firma Steiff, für diese Entscheidung zur Produktionsrückverlagerung! Es scheint zwar im hauptsächlichen der Kostendruck zu sein, welcher diese Entscheidung reifen ließ, aber immerhin es kommen Arbeitsplätze zurück nach Deutschland. Vielleicht ist es ja ein Anfang für ein generelles Umdenken der Industrie, denn man sollte einerseits freien Herzens sagen können dort wo "Made in Germany" drauf steht ist auch "Made in Germany" drin, was das Vertrauen in deutsche Produkte steigert und andererseits jeder zurückkehrende Arbeitsplatz bedeutet ja auch eine steigerung der Kaufkraft und Entlastung der sozialen Sicherungssystheme. Ich hoffe dieses Beispiel findet viele Nachahmer und nicht nur aus Kostendruck sondern auch in Verantwortung zur Gesellschaft. Antwort schreiben

 
04.07.08, 04:18
Portugal und Tunesien - dann doch lieber China!

von 100eurofürkunstfaserteddy

Es ist doch schwachsinnig, ein Stück Stoff mit 2 Plastikaugen für 100 Euro in einem Hochlohnland produzieren zu lassen. Die Zukunft der trivialen Produktionen liegt in Billiglohnländern. Nur weil es hier in Deutschland ein paar Deppen gibt, die sich vom "Wir retten hier 20 Arbeitsplätze"-Gelulle überzeugen lassen für etwas Stoff 100 Euro ausgeben zu müssen wird, wird es die Mehrheit nicht tun. Antwort schreiben

03.07.08, 20:04
Gratulation an das Steiff-Management!

von crazychair

Ich beobachte interessiert die Bewegungen von Unternehmen ins Ausland (Billigproduktionen in China, Korea, etc.), aber auch den Weg zurück nach Deutschland. Wenn man sich in deutschen Unternehmen mehr über den Markenwert und das Produktversprechen gegenüber Verbrauchern Gedanken machen würde, hätte damals der Schritt nach China nicht realisiert werden müssen. Steiff ist eine Generationenmarke! Es sollte nicht das Marketingziel sein, den billigen Stofftieren im Markt nachzueifern. Gerade in so einem sensiblen Bereich von Steiff, die Produkte für Säuglinge bis zum Erwachsenen herstellen, ist kompromisslose Qualität der richtige Weg. Gratulation an Steiff und zurück in die Liga der deutschen Firmen, deren Markenaura durch Vertrauen, Qualität, Zuverlässigkeit und Arbeitsplätze geprägt werden. Antwort schreiben

03.07.08, 18:13
Gute Nachricht

von Stephan59

Es ist doch eine gute Nachricht wenn Steiff sich wieder auf die heimische Produktion bezieht. Die Qualität bei uns scheint diesem Bericht nach doch besser zu sein als in China. Es ist gut wenn hier wieder Arbeitsplätze in diesem Segment entstehen. Antwort schreiben

03.07.08, 12:37
Daran sind auch die Konsumenten selbst schuld

von metabaron

Alle wollen immer nur billig, billig. Es wird um den letzten Cent gefeilscht. Klar, dann wird ein Konkurrent schlauer und läßt billig im Ausland produzieren und schon stürzen sich alle auf das Billigprodukt. Die anderen Mitbewerber müssen gleichziehen oder werden in den Konkurs gedrängt. Der Konsument sollte beim Kauf also überlegen, will er Qualität oder billig? Natürlich kommt noch die Profitgier mancher Markenkonzerne hinzu. So kostet die Herstellung von einem Paar Sportschuhe in China kaum 2$, wird aber hierzulande nicht selten für gut 200€ feilgeboten. Der Konsument kauft das aber, wegen dem "Markenprestige". In der ürbrigen verarbeitenden Industrie zeigt sich aber, das Billigproduktion nicht wirklich billiger ist. Erfreulicher Weise wächst diese Einsicht wieder. Antwort schreiben

 
03.07.08, 12:09
Management hat alles falsch gemacht

von Hans

Sie haben nicht selbst in China produziert, sondern die Aufträge fremdvergeben. Das ist zwar billiger, die Qualität genügt so aber nie unseren Ansprüchen. Man muss dort selber ein Werk eröffnen. D Unternehmen sind in China die beliebtesten Arbeitgeber, darum bekommt man auch die besten Arbeiter. Wir zahlen dort die besten Löhne, heizen im Winter, sogar mehrtägige Betriebsausflüge gibt es manchmal. Antwort schreiben

03.07.08, 11:01
Wenigstens raus aus China

von wibi40

Und Steiff sagt es deutlich, die chinesische Produktion genügte nicht den Qualitätsansprüchen. Antwort schreiben

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