Mittlerweile ist aus Knut ein stattlicher Eisbär geworden
10. Juli 2008 2008-07-10 17:13:02
Aus Knut, dem kleinen Knuddel-Eisbär, ist längst ein stattliches Raubtier geworden. Zwar spielt er im Berliner Zoo meist noch immer vergnügt mit seinem Baumstamm im Bären-Schwimmbecken. Manchmal verliert er jedoch die Geduld mit den vielen Zuschauern und lässt die weißen Reißzähne blitzen. Von sommerlicher Gelassenheit kann jetzt auch bei Knuts Besitzern vom Zoo Neumünster keine Rede mehr sein. Sie zeigten in dieser Woche dem Berliner Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz die Zähne - und reichten beim Landgericht Berlin Klage ein.
Die Klageschrift ist gerade bei uns eingetroffen“, bestätigte Katrin-Elena Schönberg, Sprecherin des Landegerichts Berlin am Donnerstag. Bis zu einer Entscheidung werde es jedoch sicherlich zwei bis drei Monate dauern. In dem Streit geht es jedoch nicht ums Grundsätzliche: Knut ist unbestritten unser Eigentum“, sagt Peter Drüwa, Zoodirektor in Neumünster. Vielmehr möchte Drüwa einen Teil der mit Knuts Hilfe im Berliner Zoo erzielten Millionengewinne für seinen Tiergarten in Schleswig-Holstein, der mit rund 200.000 Besuchern im Jahr deutlich kleiner ist als der Berliner Zoo. Mit der Auskunftsklage über die Lizenzeinnahmen wollen wir feststellen lassen, wie viel Geld wirklich geflossen ist“, sagt Drüwa. Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, will man sich das weitere Vorgehen überlegen.
Das mit der Vermarktung von Knut erwirtschaftete Geld wird, wie Drüwa sagt, in seinem Tierpark für dringende Renovierungsarbeiten benötigt. Diese Verwendung sei sicherlich auch in Knuts ureigenem Interesse, da Neumünster der Zoo seines Vaters Lars sei. Der Tierpark Neumünster hatte Lars zu Zuchtzwecken an den Zoo Berlin ausgeliehen. Der Einstellungsvertrag sieht vor, das jeweils das erste, das dritte und das fünfte überlebende Jungtier dem Tierpark Neumünster gehört.
Der Zoo Berlin sieht die Klage gelassen: Uns liegt ein Rechtsgutachten vor, wonach dem Zoo Neumünster keine Beteiligung an den Knut-Gewinnen zusteht“, sagt Zoo-Sprecher Deltlef Untermann. Man wolle nun das Gericht entscheiden lassen. Wenn Knut bei uns kein Publikumsliebling und vielleicht noch krank geworden wäre, dann hätte sich der Zoo Neumünster ja auch nicht an den Tierarztkosten beteiligt.“ Arne Graßmay, der Rechtanwalt des Zoos Neumünster ist jedoch überzeugt: Meines Erachtens ist es relativ deutlich, dass der Zoo als Eigentümer einen Anspruch auf die Lizenzeinnahmen hat.“ Der Zoo Berlin lasse Markenrechte eintragen und vegebe diese, ohne darüber mit dem Eigentümer gesprochen zu haben. Das sei nicht in Orndnung.
Doch ohne Gerichtsentscheid will man in Berlin auf keinen Fall eine Zahlung leisten. Schon im Juni, anlässlich der Hauptversammlung des Zoologischen Gartens Berlin, der als Aktiengesellschaft geführt wird, schloss Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz dies aus: Neumünster kann ein paar Pinguine bekommen, dann ist die Sache in Ordnung“, sagte er damals.
In dem Geschäftsbericht des Zoos für das Jahr 2007 ist jedoch zu lesen, dass der im Dezember 2006 geborene Knut dem Zoo weit mehr einbringt als ein paar Pinguine. Das Interesse der Besucher an der Aufzucht des Eisbären sei weiterhin überraschend groß“. Der Sonderfaktor Knut“ habe allein bei den Eintrittsgeldern zu zusätzlichen Einnahmen von knapp drei Millionen Euro geführt. Insgesamt hatte der Berliner Zoo im vergangenen Jahr 3,2 Millionen Besucher und einen Bilanzgewinn von 6,8 Millionen Euro.
In Neumünster ist man verärgert. Die Berliner seien an einer gütlichen Einigung wohl nicht interessiert. Drüwa spricht von einer totalen Verweigerungshaltung der Kollegen“, die nun Konsequenzen habe. Den ehemals knuddeligen und nunmehr klobigen Eisbären möchte er aber nicht nach Schleswig-Holstein holen: Knut ist im Berliner Zoo bisher gut aufgehoben.“ Das Wörtchen bisher“ deutet aber wohl an, dass die Geschichte von Knut auch mit dieser Episode noch nicht zu Ende ist.
Text: F.A.Z. / jur.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, obs, picture-alliance/ dpa, REUTERS
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