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Mobbing im Zoo Knut geht's nicht gut

Von Rainer Volk
Stand: 21.10.2010

Eisbär Knut im Berliner Zoo | picture-alliance/dpa

Wenn unsereins nichts Dringendes mehr zu tun hat, geht er zu Bildungszwecken in den Zoo. So sagten sich die Kollegen der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin wohl: "Im Bundestag ist keine Sitzungswoche, die Kanzlerin wechselt zwischen Sarkozy-Besuch, CDU-Regionalkonferenz und DFB-Grußwort zuhause nur schnell das Sakko, und Guido will ausschlafen, weil er gerade in Indien war. Da schauen wir doch mal, was Knut so macht."

Nur zur Erinnerung: Knut war mal das Tierbaby des Jahres, ein pelziger Superstar, Sympathieträger der Hauptstadt. Vermutlich weil wir uns die zweibeinigen Berliner so knuddelig, blütenweiß und Milch schlürfend wie Knut wünschen. So viel zum Thema: Diskrepanz von Traum und Wirklichkeit.

Die Vorort-Beobachtungen von dpa ergaben nun leider: Knut geht es nicht gut. Er wird gemobbt von drei Eisbären-Weibchen namens Tosca, Nancy und Katjuscha. Der Satz der dpa-Kollegen aber – Zitat: "Meistens kauert Knut allein und in die Ecke gedrängt auf einem winzigen Felsvorsprung" - legt sein ganzes Elend bloß. Hätte die Evolution Eisbären Sprachgewalt gegeben, rüttelte er vermutlich am Gitter seines Geheges und röhrte: "Ich will hier raus."

Stattdessen teilt die Zoo-Leitung, die hoffentlich dpa mit der Story keinen Bären aufgebunden hat, nur mit: Eigentlich solle Knut, der inzwischen vier Jahre alt ist und damit im besten Bärenlümmel-Alter, ab dem Frühjahr Nachwuchs zeugen. Da die drei Bärinnen jedoch bis dato jede seiner Annäherungen mit Bissen und eindeutigen Drohgebärden abwehren, sind die Aussichten auf Wiederholung der Knut-Manie im Moment wohl trübe.

Nun sind wir zwar keine Polarbär-Experten, aber eigentlich ist die Sache sonnenklar: Erstens wurde Knut frühzeitig seines Vaters beraubt. Diesen – Lars mit Namen – gab Berlin an den Wuppertaler Zoo ab. Alleine aber kann Knut dem Eisbären-Matriarchat in der Hauptstadt nicht die Stirn bieten. Und zweitens hat der Zoo keinen Gleichstellungs-Beauftragten für Eisbären, obwohl sich dieser Posten in Raubtier-Gehegen wie Redaktionen oder Großraumbüros seit längerem bewährt.

Ehe nun im Land die Zähre fließt: Vielleicht tröstet der vergleichende Blick auf den menschlichen Nachwuchs, Abteilung Mann. Wenn der sich der Geschlechtsreife nähert, kauert er auch gerne stumm auf einem Felsvorsprung respektive einer Parkbank und beschaut sich ratlos die Nancys, Katjas und wen er sonst noch bärig findet. Macht ein humaner Knut in diesem Fall ungefragt Avancen, ereilt ihn oft ein verbaler Tatzenhieb über Pickel und Körpergeruch. Er verkriecht sich dann oft stumm bis zum nächsten Hormonschub samt Mp3-Player in eine dunkle Ecke.

Da Knut die akustische Triebabfuhr verwehrt ist, bleibt ihm vermutlich nur ein kühles Bad zur Linderung seiner Männlichkeitsanfälle, oder ein mitleidiger Pfleger wirft ihm einen Extra-Hering zu. Unsere nächste Reise führt daher sicher in den Berliner Zoo. Denn wo sich eine Posse zum Drama zwischen Mann und Frau auswächst, egal ob mit oder ohne Pelz – da müssen wir dabei sein. Das ist journalistische Pflichterfüllung.

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