Berlin - Eisbär Knut hat schon für viele Themen herhalten müssen: Er war Botschafter für den Klimaschutz, er war Kuscheltier, er saß für einen Münzaufdruck Modell, er wurde als Schaumzucker-Nascherei verkauft und massenhaft auf T-Shirts gedruckt. Jetzt durfte der Eisbär als Müll-Motiv herhalten – und kommt damit sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. 180 Helfer formten am Sonnabend auf dem Gelände des früheren Flughafens Tempelhof aus 6 401 Mülltonnen ein riesiges Mosaikbild – Knut eben. Nach viereinhalb Stunden Herumgeschiebe und mehr als 2 000 gelaufenen Kilometern waren die Männer und Frauen fertig: Glücklich stellten sie sich neben das 75 mal 45 Meter große Bild, ließen sich fotografieren – und fertig war der neue Weltrekord.
Doch um Knut ging es gar nicht – Anlass der Aktion war eine neue Kampagne zum Thema Abfallentsorgung. „Trenntstadt Berlin“ ist eine Gemeinschaftsaktion der Müllentsorger BSR, Alba und Berlin Recycling sowie der Stiftung Naturschutz. „Normalerweise wird über Abfallentsorgung nur dann geredet, wenn sie nicht so funktioniert wie sie soll“, sagte BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Mit der Kampagne wolle man das Thema stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken – und die Berliner anhalten, ihren Müll noch besser zu trennen.
„Die Berliner trennen gut, aber nicht gut genug“, sagte BSR-Chefin Vera Gäde-Butzlaff. Genug sei es, wenn wirklich alles, was verwertbar ist, tatsächlich getrennt gesammelt werde. Davon sei man in Berlin aber noch weit entfernt. „Noch immer landet zum Beispiel zu viel organischer Müll im Hausmüll“, so die BSR-Chefin. Aber auch andere recycelbare Stoffe lägen oft im Hausmüll. Aus diesem Grund hätten sich die Müllentsorger der Stadt „weg von wirtschaftlichen Belangen“ für eine gemeinsame Kampagne entschieden.
Die findet – vom Rekordversuch in Tempelhof abgesehen – vor allem im Internet statt. Dort gibt es Hinweise, welcher Müll in welche Tonne gehört und was sonst noch zu beachten ist. „In Großstädten wird generell schlechter Müll getrennt als im ländlichen Raum“, sagte BSR-Sprecherin Thümler. Abgesehen davon, dass auf dem Lande offenbar ein größeres Verständnis für Wiederverwertung bestehe, sei dort auch die soziale Kontrolle höher. Aber auch Fehlwürfe seien in Städten größer, wenn Müll irrtümlich in falschen Behältern entsorgt wird. Die wenigsten Probleme gibt es laut Thümler bei der Entsorgung von Glas und Papier. „Das wird gut getrennt.“ Einer der Gründe dafür sei vermutlich, dass die Verbraucher annehmen, dass dieser Müll noch am ehesten einer Wiederverwertung zugeführt wird. Allein durch das Recyceln von Altpapier wird in Berlin pro Jahr Holz von der Menge des Grunewaldes eingespart.
In anderen Bereichen funktioniere das weniger. „Vielfach herrscht Unwissen, wie man richtig trennt“, so die Sprecherin. Viele verzichteten etwa auf die Biotonne weil sie der Geruch störe. Der könne vermieden werden, „indem Reste von Gemüse in Zeitungspapier gewickelt werden“. Die Flüssigkeit, die sich sonst im Eimer sammelt, dort gärt und übel riecht, werde von dem Papier aufgesaugt. „Aber natürlich ist Mülltrennung immer mit einem gewissen Aufwand verbunden.“
Die Kampagne im Internet:
www.trenntstadt-berlin.de