Berlin

Eine ganz kurze Romanze für Knut und Gianna

Knut badet noch alleine. Womöglich sehnt er sich nach einer Gefährtin, einer Geliebten. Gianna (r.) lebt nicht ganz allein. Sie teilt sich Gehege und Melonen mit Knuts Oma Lisa. Foto: ddp
Knut badet noch alleine. Womöglich sehnt er sich nach einer Gefährtin, einer Geliebten. Gianna (r.) lebt nicht ganz allein. Sie teilt sich Gehege und Melonen mit Knuts Oma Lisa.

Berliner Zoo dementiert Zuzug einer Eisbärin aus München

von Barbara Weitzel

Es hörte sich wunderschön an: Eine Spätsommerliebe für Knut. Eisbärin Gianna, eine mollige und lebenslustige Italienerin, wohnhaft in München, sollte die Angetraute des weltberühmten Berliner Sohnes werden. Im September sollte die ebenfalls drei Jahre alte Signora anreisen, da dann in München die Eisbärenanlage umgebaut wird. In der lebt Gianna mit Knuts Oma Lisa, weil die Italienerin sich mit dem für sie vorgesehenen Mitbewohner Yoghi nicht besonders gut vertrug. So weit die Geschichte, die, ausgehend vom Münchner Zoo, gestern in die Welt der Eisbärenfreunde hinausposaunt wurde.

Nun scheint aber der Ausgang dieses Sommermärchens sehr ungewiss, denn der Berliner Zoo will von dem angeblichen Zuzug nichts wissen. Ist Gianna die Braut, der man nicht traut? Hatte Berlin andere Vorstellungen? Oder soll es etwa eine stille Zusammenführung werden? Kaum vorstellbar, schließlich ist Knut ein öffentlicher Eisbär. Für Heiner Klös, Bärenkurator des Berliner Zoos, ist Gianna weder die falsche Bärin noch soll irgendetwas verheimlicht werden. Vielmehr hat es laut Klös noch gar keine Gespräche mit München gegeben. "Das ist ein reines Gerücht", so Klös. Halb belustigt, halb verärgert über den Wirbel, den die Nachricht ausgelöst hat, schiebt er hinterher: "Was die Münchner sagen, interessiert die Preußen überhaupt nicht." Es sei ihm ein Rätsel, wie diese Geschichte überhaupt entstehen konnte. "Ich weiß, dass die Münchner Kollegen bauen und dass es diese Dame gibt. Das ist alles", sagte Klös. Seit Wochen und Monaten koche die Gerüchteküche, "dabei wissen wir erst seit kurzer Zeit, dass Knut überhaupt in Berlin bleiben kann. Es gibt keinen Grund zur Drängelei und wir lassen uns auch nicht drängeln von all denen, die sich jetzt eine solche Geschichte wünschen."

Bis Anfang Juli war der Verbleib Knuts in der Stadt völlig unklar. Der Berliner Zoo und der Tierpark Neumünster, aus dem Knuts Vater Lars stammt, stritten um die Besitz- und Finanzrechte vor Gericht. Schließlich erwarb der Zoo Berlin die Rechte an Knut für 430.000 Euro.

Nach so viel Aufregung will sich Berlin nun scheinbar Zeit nehmen für die Brautschau - und sich alle Optionen offenhalten. "Das ist keine Sache zwischen zwei Zoos, sondern eine internationale Angelegenheit", sagte Heiner Klös. Avancen aus München scheinen die hier herrschende Gelassenheit ebenso wenig zu stören wie Protest von Tierschützern. Weil Knut bereits so lange alleine ist, hatte die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling bereits von "Isolationshaft" gesprochen. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, hatte noch konsequenter die vollständige Einstellung der Eisbärzucht in Zoos gefordert. Damit ist aber nicht zu rechnen. Denn außer Knut sind alle in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland beliebt gewordenen Eisbären partnerschaftlich versorgt.

Wie das Dementi des Berliner Zoologischen Gartens in München ankommt, war gestern nicht zu erfahren. Im dortigen Tierpark Hellabrunn hüllten sich alle Verantwortlichen über das Bären-Arrangement in Schweigen.

Berliner Zeitung, 07.08.2009