Berlin - Nein, Freunde sind sie nicht geworden während der Verhandlungen – das war deutlich zu spüren: Bernhard Blaszkiewitz und Peter Drüwa, Zoodirektoren aus Berlin und Neumünster, präsentierten gestern Mittag, was einen Tag zuvor bereits bekannt geworden war: 430 000 Euro zahlt der Zoo Berlin an den Tierpark im schleswig-holsteinischen Neumünster. Damit sind nun alle Forderungen des Tierparks in Sachen Knut abgegolten – und der Eisbär gehört jetzt dem Zoo.
Der Streit zwischen beiden Einrichtungen war vor anderthalb Jahren entbrannt: Der Tierpark Neumünster, dem Knuts Vater Lars gehört und laut Vertrag auch der erste Nachfahre, war der Ansicht, dass ihm ein Anteil an den Einnahmen aus der Vermarktung von Knut zustehe. Der Zoo sah das anders – und ließ es auf einen Prozess ankommen. Nachdem dieser am ersten Tag ergebnislos verlief, hatte man sich auf August vertagt. Nun aber einigten sich die Kontrahenten außergerichtlich.
Enorm war der Andrang bei der Pressekonferenz – schließlich ging es um Knut. Doch das Interesse galt auch einem Menschen: Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz absolvierte seinen ersten Auftritt nach seiner schweren Verletzung durch Schimpanse Pedro. Dieser hatte ihm am 8. Juni den rechten Zeigefinger abgebissen. Blaszkiewitz, der im Krankenhaus deutlich an Gewicht verloren hatte und der die rechte Hand in einem weißen Verband trug, gab sich ruppig und kurz angebunden wie eh und je. Zuerst reckte er den Fotografen seine rechte Hand entgegen: „Falls Sie den noch nicht gesehen haben – hier ist der Stumpf“, sagte er. Dann äußerte er sich zu den Verhandlungen mit dem Tierpark Neumünster. „Sie waren unerfreulich, aber wir haben uns geeinigt“, sagte er knapp.
Details gab dann die kaufmännische Direktorin des Zoos bekannt, die am Ende auch die Verhandlungen mit Neumünster geführt hatte. „Wir zahlen in den kommenden Tagen 350 000 Euro und in den zwei Jahren darauf noch mal jeweils 40 000 Euro“, sagte Gabriele Thöne. Die Summe stamme aus Rücklagen, „wir werden deshalb also nicht verarmen“. Aber natürlich, räumte Thöne ein, habe sie als kaufmännische Direktorin ein „ambivalentes Verhältnis zum Geldausgeben“. Allerdings sei die Zahlung in ihren Augen eine Investition in die Zukunft – schließlich sei Knut Symbolfigur für den Zoo und nun Berliner.
Tierpark-Chef Peter Drüwa, dessen privat geführte Einrichtung nun um fast eine halbe Million Euro reicher wird, zeigte sich entspannt. „Wir werden das Geld für nötige Reparaturen und Sanierungen ausgeben“, sagte er. Allerdings, so betonte er mit Blick auf Blaszkiewitz, sei die Einigung nur zustande gekommen, weil beide Seiten nachgegeben hatten. Der Berliner Zoodirektor erwiderte den Blick allerdings nicht. Er hoffe jedenfalls, sagte Blaszkiewitz später, dass die Zahlung einer solchen Summe ein einmaliger Fall bleibe. Der Zoo werde alle seine Verträge mit anderen Einrichtungen überprüfen, in denen die Überlassung von Tieren zu Zuchtzwecken geregelt wird. Die Zukunft von Knuts Vater Lars, so betonten beide Seiten, wurde nicht verhandelt. Er gehört weiterhin Neumünster, bleibt aber vorerst im Zoo.
Über Knuts Zukunft äußerte sich Blaszkiewitz nicht. Wenig auskunftswillig gab sich der Zoochef auch, als es um ihn selbst ging. Auf die Frage, ob ihn der Verlust des Zeigefingers einschränke, sagte er nur: „Nein. Ich kann schreiben, mit Besteck essen und mit Stäbchen. Das sind die drei wichtigsten Dinge.“
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Der Bären-Boom
Die Geburt: Am 5. Dezember 2006 brachte Eisbärin Tosca im Zoo zwei Junge zur Welt. Als sich die Bärin nicht um die Kleinen kümmerte, holten Pfleger die Jungen aus dem Gehege. Ein Jungtier verstarb jedoch.
Die Aufzucht: Der andere, nur 800 Gramm schwere Eisbär verbrachte die ersten 42 Tage im Inkubator, danach kümmerte sich Pfleger Thomas Dörflein rund um die Uhr um den Kleinen. Der Pfleger taufte den Bären auf den Namen Knut.
Der erste Auftritt: Am 23. März wurde der damals 9,1 Kilo schwere Bär erstmals öffentlich gezeigt, etwa 500 Journalisten kamen zu seinem ersten Auftritt. Die Bilder des kleinen, flauschigen Bären gingen um die ganze Welt. Knut wurde zum Symbol für die Klimaerwärmung und das Artensterben.
Die Besucher: In den Folgewochen und -monaten wurde der Zoo regelrecht überrannt von Besuchern, allein bis Ende 2007 sahen Knut etwa zwei Millionen Menschen.
Die Einnahmen: Wie viel der Zoo an Knut und dem Handel mit Knut-Devotionalien verdient hat, ist unklar. Schätzungen zufolge ist bis heute von sechs Millionen Euro die Rede.