Berlin

Knuts Schlafsack für 241 Euro

Das Taschenmesser, das Thomas Dörflein immer in einem Lederetui am Gürtel trug, war bis gestern das gefragteste Teil aus seinem Nachlass. Foto: Reinhard Kaufhold
Das Taschenmesser, das Thomas Dörflein immer in einem Lederetui am Gürtel trug, war bis gestern das gefragteste Teil aus seinem Nachlass.
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Die Versteigerung von Thomas Dörfleins Nachlass löst auf Ebay heftige Diskussionen aus

Eva Dorothée Schmid

Berlin - Darf man das? Die Sachen seines berühmten Vaters, der gestorben ist, auf Ebay versteigern und daraus Profit ziehen? Darüber ist auf den Seiten des Internet-Auktionshauses, auf denen der 18-jährige David Dörflein und seine 23-jährige Schwester seit Sonnabend fünf Teile aus dem Nachlass ihres Vaters versteigern, eine heftige Diskussion entbrannt. Thomas Dörflein, der als Ziehvater des Eisbären Knut im Berliner Zoo weltberühmt wurde, starb am 22. September überraschend an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 44 Jahre alt.

Eine Verkäuferin namens Sandruschka versteigert im Namen der Dörflein-Kinder den zehn Jahre alten grünen Opel Astra Caravan, der dem Knutpfleger gehört hat. Das Höchstgebot lag gestern Abend bei 3 010 Euro, obwohl nicht verschwiegen wird, dass der Wagen „hier und da einige Gebrauchsspuren wie Kratzer oder Abnutzung der Sitze“ aufweist. Außerdem werden als persönliche Andenken an den Bärenpfleger ein Outdoor Textilgürtel angeboten, den er im Zoo getragen haben soll und sein Schweizer Taschenmesser samt Lederetui, das er nach Angaben der Verkäufer ständig am Gürtel trug – wie auf einem miteingestellten Foto zu sehen ist. Die Gebote lagen gestern bei 125 beziehungsweise 334 Euro. Schweizer Taschenmesser ohne berühmte Vorbesitzer gibt’s bei Ebay sonst schon für fünf Euro, Lederetuis werden für rund zwölf Euro verkauft.

Erlös für die Grabpflege

Außerdem wird ein Elvisbuch versteigert „von Thomas Dörflein, der ein bekennender Elvisfan war“, wie es in dem Angebot heißt. Dort steht auch, er habe dem kleinen Eisbären Knut Elvissongs vorgesungen, um ihn zu beruhigen. Dafür wurden gestern 136 Euro geboten.
Besonders interessant für Knut-Fans dürfte aber ein blauer Schlafsack sein, in dem der Bären-Vater mit Knut geschlafen haben soll. Es gibt Fotos, die den kleinen Eisbären zeigen, wie er die Tatze auf den Schlafsack legt. 45 Fans boten darauf bereits – das höchste Gebot lag bei 511 Euro. Die Preise werden sicher noch steigen – denn alle fünf Auktionen enden erst am Sonnabend um 17 Uhr und die meisten Interessenten bieten immer erst kurz vor Angebotsende.

Bei Ebay haben Kaufinteressenten die Möglichkeit, dem Verkäufer öffentlich Fragen zu stellen, die dieser ebenfalls öffentlich beantworten kann. Fragen finden sich allerdings kaum zu den Dörflein-Angeboten, dafür kontroverse Kommentare. Jemand schreibt, er finde die Auktion „geschmacklos und widerlich“ und ohne Respekt für den Vater. Ein anderer schreibt, die Versteigerung des Nachlasses sei eine Unverschämtheit gegenüber dem Tierpfleger und traurig. Die Verkäuferin rechtfertigt sich damit, dass mit dem Erlös Dörfleins Grab und dessen angemessene Pflege bezahlt werde. Dörfleins Mutter zeigte sich gerührt von der Aktion ihres Enkels David Dörflein. Sie muss den Grabstein bezahlen und die Umfriedung des Urnengrabs und freut sich, dass ihr Enkel ihr dabei finanziell helfen möchte. Dörflein liegt auf dem Spandauer Friedhof In den Kisseln. Sein Grab ist noch immer eine Art Pilgerstätte für Knut-Fans.

Es gibt aber nicht nur Kritik, sondern auch Anteilnahme und Verständnis für die Auktion. Jemand schreibt, es sei das Normalste der Welt, den Nachlass seiner Eltern zu versteigern, wenn diese nicht berühmt wären, würde sich keiner darüber aufregen. Andere tun kund, wie viel ihnen der Tierpfleger Thomas Dörflein bedeutet hat, sie äußern Mitleid und wünschen seinen Kindern viel Glück.

Eine Chance für Trittbrettfahrer


Andere fragen, ob noch mehr versteigert werden soll. Dies wird von der Verkäuferin verneint. Allerdings sind inzwischen Angebote von Trittbrettfahrern aufgetaucht, die mit Dörflein-Devotionalien Geld machen wollen, dabei aber bisher weniger erfolgreich sind als Dörfleins Kinder.

Verkäufer Andreas6905 bietet beispielsweise eine alte, funktionsfähige Seiko-Armbanduhr an, die angeblich Dörflein gehört haben soll. Die Uhr „war ein Geschenk von ihm, weil Thomas bei einer Panne geholfen wurde“ heißt es in dem Angebotstext. Gestern lagen acht Gebote vor, das höchste betrug 30,49 Euro. Der Verkäufer Germansuperstar2008 versucht mit einem „Originalautogramm“ von Thomas Dörflein auf einem Farbfoto Geld zu machen.
Elf Bieter gab es bis gestern, das Höchstgebot lag bei 30,50 Euro.
Die Verkäuferin, die im Auftrag der Dörflein-Kinder agiert, weist seit gestern in ihrem Text der „offiziellen“ Angebote darauf hin, dass sie bedauert, dass es Trittbrettfahrer gibt, die versuchen, aus den Auktionen der Erben von Thomas Dörflein Profit zu schlagen.

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Geschäfte mit Promi-Besitz

Das Auto von Thomas Dörflein ist nicht das erste, das bei Ebay unter den Hammer kommt.

Papst Benedikt XVI.
fuhr, als er noch Kardinal Ratzinger war, einen Golf. Der Verkauf dieses Wagens brachte einem Studenten im Mai 2005 fast 190 000 Euro. Bezahlt hatte er 9 500 Euro. 227 Gebote wurden abgegeben, ein amerikanisches Internet-Casino bekam den Zuschlag und setzt den Golf nun zur Werbung ein.

Jürgen Klinsmanns Käfer-Cabrio, das er einst fuhr, wurde 2006 versteigert. Es erbrachte exakt 24 850 Euro.

John F. Kennedy wurde 1963 durch ein Fenster erschossen. Dieses Fenster erbrachte mehr als drei Millionen Dollar, als es im Jahr 2007 den Besitzer wechselte. Von Erich Honecker konnte man im Internet auf Ebay den FDJ-Ausweis ersteigern und von Erich Mielke gab’s den Diplomatenpass online zu kaufen.

Berliner Zeitung, 30.12.2008