Berlin

Keine Geburtstagsfeier für Knut

Schon groß, aber noch längst nicht ausgewachsen: Eisbär knut aus dem Zoo Berlin wird am 5. Dezember zwei Jahre alt. Foto: ddp
Schon groß, aber noch längst nicht ausgewachsen: Eisbär knut aus dem Zoo Berlin wird am 5. Dezember zwei Jahre alt.

Deutschlands berühmtester Eisbär wird zwei Jahre alt - diesmal aber ohne Gemüsetorte und Kerze

von Birgitt Eltzel

Berlins liebster Eisbär wird am 5. Dezember zwei Jahre alt. Doch eine Geburtstagsfeier wird es für Knut nicht geben. "Wir haben nichts geplant", sagt Bären-Kurator Heiner Klös. Es wird auch keine Gemüsetorte mit Holzkerze geben wie letztes Jahr. Auch für die Zoobesucher gibt es nichts extra. 2007 bekamen Kinder an Knuts ersten Geburtstag freien Eintritt - ein Dankeschön an die Berliner, die seit der Geburt des Eisbären besonders oft in den Zoo kamen. 3,2 Millionen Besucher waren 2007 gekommen. Dieses Jahr sind es laut Klös "ein bisschen weniger". Genaue Zahlen gibt es noch nicht.

Das Bärchen von einst ist inzwischen ein Halbstarker, sagt der Bärenkurator. Wenn Knut auf den Hinterbeinen steht, ist er etwa zwei Meter groß. Sein (geschätztes) Gewicht liegt zwischen 200 und 300 Kilogramm. Die exakten Zahlen kennt man auch im Zoo nicht: "Wir können ihn nicht mehr messen und kriegen ihn nicht auf die Waage. Aber wir wollen das auch nicht", sagt Klös. Knut sei "ein ganz normaler, gesunder Bär" geworden, ein wenig schlank vielleicht. Aber er bekomme genug zu futtern, versichert Klös: Täglich einen halben Eimer voller Seefische, Fleisch, Gemüse und Salat - all das, was auch ein erwachsener Eisbär erhält. Obwohl es mit dem Erwachsensein noch etwas dauert: Geschlechtsreif ist ein Eisbär mit vier bis fünf Jahren. Bis es so weit ist, wird Knut noch einmal etwa ein Drittel an Gewicht und Größe zunehmen.

Dann soll Knut auch ein Weibchen bekommen. Dass er in Berlin bleibt, scheint weitgehend ausgeschlossen, auch wenn Zoo- und Tierparkdirektor Bernhard Blasz-kiewitz kürzlich bekannte: "Ich habe nichts dagegen." Denn in Zoo und Tierpark gibt es bereits Zuchtgruppen. Zudem gehört Knut dem Tierpark Neumünster. Dieser entscheidet in Absprache mit dem Koordinator des Europäischen Artenzuchtprogrammes, wohin der Eisbär geht: "Eine Entscheidung darüber wird nicht vor dem nächsten Jahr fallen", sagt Neumünsters Tierpark-Chef Peter Drüwa.

Bärenkurator Klös sagt, dass Knut sich kaum langweilt, obwohl er allein ist. Er spiele mit seinem Jutesack, der natürlich längst nicht mehr der erste ist, sondern immer wieder ersetzt werden muss. Er wälzt sich gern im Sand oder auf der Erde, so dass sein Fell manchmal blond, mitunter braun erscheint, was Besucher immer wieder irritiert: "Wenn er badet, ist er wieder weiß", sagt Klös.

Menschlichen Zuspruch braucht Knut immer noch. Obwohl er nicht um seinen im September verstorbenen Ziehvater Thomas Dörflein trauere - "Tiere können das nicht" - , vermisse er ihn hin und wieder, sagt Klös. Ronny Henkel, der Dörfleins Nachfolge angetreten hat, und Tierpfleger Marcus Röbke kennen den Eisbären ebenfalls von Anfang an. Manchmal gibt es Streicheleinheiten durch den Zaun hindurch. In das Gehege dürfen die Pfleger schon lange nicht mehr, wenn Knut dort ist - er könnte ihnen inzwischen gefährlich werden.

Berliner Zeitung, 29.11.2008