Thomas Dörflein, der kürzlich verstorbene Ziehvater von Berlins prominentestem Zoo-Bewohner, ist am Freitagnachmittag im engsten Familien und Freundeskreis auf dem städtischen „Friedhof in den Kisseln“ in Spandau beigesetzt worden. Der Tierpfleger, der durch die Aufzucht von Eisbär Knut weltberühmt geworden war, war vor zweieinhalb Wochen im Alter von 44 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.
Irritationen über Termin
Es war ein kleiner Trauerzug, der sich kurz vor 15 Uhr bei strahlendem Sonnenschein vor der Kapelle auf Berlins größtem Friedhof versammelt hatte. 40 Trauergäste waren gekommen, unter ihnen auch die Freundin Dörfleins und seine Mutter. Gegen 16 Uhr verließ der Zug die Kapelle, unter Glockengeläut ging es zu der Grabstelle, in der der Tierpfleger schließlich beigesetzt wurde. Er habe eine Urnenbeerdigung gewollt, hatte seine Mutter kürzlich erzählt, er habe verbrannt werden wollen, „damit die Maden nicht an mir nagen“, soll er gesagt haben.
Lange Zeit hatte es geheißen, dass Thomas Dörflein am 13. Oktober – also am Montag – beigesetzt wird. Diesen Termin hatte seine Freundin vorgeschlagen, weil Dörflein an diesem Tag 45 Jahre alt geworden wäre. Vor einigen Tagen jedoch hatte Dörfleins Mutter verkündet, von dem Termin Abstand genommen zu haben – auf Anraten der Friedhofsverwaltung. Diese habe befürchtet, dass eine öffentliche Beisetzung zahlreiche Dörflein-Fans anlocken und der Friedhof Schaden nehmen könnte.
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Dem widersprach am Freitagnachmittag Spandaus Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). Der Stadtrat, dem auch die Friedhöfe unterstehen, sagte, die Verwaltung habe der Familie keine Ratschläge erteilt, „wir haben den Wunsch der Familie respektiert“. Nicht auszuschließen ist also, dass der neue Termin gewählt wurde, um Dörflein in aller Stille besetzen zu können. Die Geheimhaltung klappte: Selbst die Zoo-Geschäftsführung wusste nicht über den Beerdigungstermin Bescheid. Zeitgleich tagte dort der Aufsichtsrat. „Ich weiß von keinem Termin“, hatte Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz am Mittag gesagt und erneut darum gebeten, die Totenruhe zu achten. Wenn die Familie den Zeitpunkt öffentlich machen wolle, werde auch er hingehen, sagte Blaszkiewitz, „wenn die Familie unter sich bleiben will, dann kann sie das tun.“
Thomas Dörflein war am 22. September leblos in der Wohnung einer Bekannten aufgefunden worden. Sein Tod hatte unter Zoo-Besuchern und Knut-Fans für große Anteilnahme gesorgt, der Zoo hatte in den darauffolgenden Tagen schier unzählige Beileidsbekundungen erhalten.
Auch am Freitag war dort die Trauer noch gegenwärtig: Vor Knuts Gehege lagen frische Blumen, die Trauernden hatten kleine Plüschbären abgelegt oder Briefchen geschrieben. Viele der Besucher lasen aufmerksam die vielen Briefe. „Ich finde es gut, dass Dörflein nicht öffentlich beigesetzt wird“, sagte eine Stammbesucherin, „da wären doch tausende gekommen. Das hätte er bestimmt nicht gewollt.“
Im Internet-Kondolenzbuch, das der Zoo einen Tag nach Dörfleins Tod freigeschaltet hatte, hatten sich bis Freitag fast 10 000 Menschen eingetragen. Ein „echtes“ Kondolenzbuch, das der Zoo auf vielfachen Wunsch schließlich vier Tage nach Dörfleins Tod im Foyer seines Verwaltungsgebäudes ausgelegt hatte, wurde bereits durch ein zweites ersetzt. „Es tut mir leid, du warst so ein wunderbarer Mensch“, war dort zu lesen. „Wer ihn sah und wie er mit Knut umging, der war von beiden fasziniert.“
Knut hat ihn weltberühmt gemacht
Thomas Dörflein wurde am 13. Oktober 1963 in Berlin geboren. Von 1982 bis 1985 absolvierte er eine Ausbildung als Tierpfleger im Zoologischen Garten.
Im Bärenrevier arbeitete Dörflein seit 1985, 1999 wurde er Cheftierpfleger und war für die Aufzucht der Bären und Wölfe zuständig.
Einem großen Publikum wurde Dörflein durch Eisbär Knut bekannt, den er mit der Flasche aufzog. Dörflein war dafür extra in den Zoo gezogen – 150 Tage lang. Auch bei seinen den Auftritten begleitete Dörflein den Eisbären, die Bilder gingen um die Welt. Dörflein starb am 23. September 2008 an einem Herzinfarkt.