Darf der Berliner Zoo die Millionengewinne rund um Eisbär Knut behalten oder muss er einen Teil davon an den Tierpark Neumünster (Schleswig-Holstein) abgeben? Darüber wird bald ein Gericht entscheiden. Einen Rekordgewinn von 6,8 Millionen Euro erzielte der Zoo im vergangenen Jahr, allein drei Millionen Euro waren Erlöse aus Eintrittsgeldern.
Der Direktor vom Tierpark Neumünster, Peter Drüwa, sagte gestern, zurzeit bereite seine Abteilung eine Gerichtsklage vor. „Eine außergerichtliche Einigung mit dem Zoo Berlin ist gescheitert“, sagte Drüwa. Der 24 Hektar große Tierpark mit 700 Tieren ist der Besitzer des Eisbären Knut, weil dessen Vater Lars von dort stammt. Und deshalb will der Tierpark Neumünster am Gewinn beteiligt werden. „Wir haben vertraglich gesicherte Rechte an Knut“, betonte Peter Drüwa.
Das sieht der Chef des Berliner Zoos, Bernhard Blaszkiewitz, allerdings ganz anders. Auf der Hauptversammlung der Zoo-Aktionäre im Friedrichstadtpalast sagte er gestern zu den Neumünster Forderungen: „Die wollten Geld von uns, aber der Vertrag zwischen den Zoos gibt das nicht her. Die bekommen ein paar Pinguine, und dann ist die Sache in Ordnung.“
Etwa 450 Aktionäre und der Aufsichtsrat saßen im Saal. Die Zoo-Aktie gilt als Liebhaberaktie, die in der Regel weitervererbt wird, es gibt keine Dividende. Vor allem Zoofreunde halten die Aktie. Und so wollte eine Frau auch gleich wissen, wie es mit Knuts Zukunft in Berlin aussehe. Blaszkiewitz sagte, wenn es nach ihm ginge, könne Knut noch lange in Berlin bleiben. Notfalls müsse der Zoo mit Neumünster verhandeln, dass Knut in Berlin bleiben darf.
Das scheint gar nicht nötig: Neumünster will nicht Knut, sondern Geld. „Wir haben schon ein Eisbärenpaar, Knut passt gar nicht dazu“, sagt Peter Drüwa. Für eine neue Anlage fehle das Geld. Der Tierpark Neumünster muss ohne staatliche Zuwendungen auskommen. Er hat jährlich rund 200 000 Besucher.
Der Zoo Berlin hat die Gewinne aus dem Eisbären-Geschäft 2007 längst für Investitionen auf dem Gelände verplant. Die neue Anlage für Schimpansen wird vor den Sommerferien fertiggestellt, das Dach des Antilopenhauses wird erneuert, ebenso die Straßenfassade vom Aquarium. Dort wird auch ein gläserner Fahrstuhl eingebaut. Das Antilopenhaus bekommt eine neue Kuppel und eine Lüftung. Im Jahr 2009 soll dann das Vogelhaus erneuert werden – vorausgesetzt, Berlin darf den gesamten Rekordgewinn rund um Eisbär Knut behalten.