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ZOO-GESPRÄCHE

Eine Eisbombe zum zweiten Geburtstag

Birgitt Eltzel

Verlässt Knut Berlin oder bleibt er? Eine klare Antwort gibt es noch nicht. Sicher ist nur, dass die Entscheidung nicht in Berlin fällt. Denn der Zoo Neumünster in Schleswig-Holstein, dem Knuts Vater Lars und damit auch Knut gehören, hat darüber zu befinden - in Absprache mit dem Koordinator des Europäischen Artenzuchtprogramms in Amsterdam.

Heute kann sich das mittlerweile mehr als 200 Kilo schwere Tier erst mal richtig verwöhnen lassen. Der Zoo gibt seinem berühmtesten Bewohner nun doch eine Party zum zweiten Geburtstag. Um 13.30 Uhr wird ihm sein Tierpfleger eine mit reichlich Gemüse und süßem Obst gefüllte Eisbombe servieren. Nach Zoo-Angaben nimmt Knut das Ereignis "gelassen".

Peter Drüwa, der Zoo-Direktor aus Neumünster, sagt, dass im nächsten Jahr über Knuts Verbleib befunden werden soll, vielleicht aber auch erst 2010. "Es eilt schließlich nicht", sagt Drüwa, "Knut ist ja in seiner Anlage in Berlin gut aufgehoben." Vielleicht bleibt Knut aber auch in Berlin. Das will Bernhard Blaszkiewitz, Chef von Zoo und Tierpark. War er erst gar nicht von dem Rummel um Knut begeistert, hat er den Eisbären inzwischen sogar in seinem Buch "Knautschke, Knut & Co" als eines seiner Lieblingstiere verewigt. "Gespräche mit Neumünster laufen", sagt Blaszkiewitz. Damit stellt er sich gegen Bärenkurator Heiner Klös, der aus Platzgründen keine Möglichkeit für eine dritte Eisbärengruppe in Zoo und Tierpark sieht. "Wir haben genügend Platz", sagt dagegen sein Chef. Wo, verrät er nicht.

Berlin habe durchaus Chancen, den Eisbären zu behalten, sagt Direktor Drüwa. "Wenn Berlin eine neue Anlage baut oder eine andere umbaut, könnte Knut bleiben." Man warte jetzt darauf, dass die Berliner sich einig werden und detaillierte Planungen vorlegen.

Die Chancen auf Knut würden durch den Streit um die Werbeeinnahmen nicht geschmälert, sagt Drüwa. Allein aus dem Lizenzgeschäft mit Knut-Artikeln erhält der Berliner Zoo zehn Millionen Euro jährlich. Am 19. Mai 2009 wird sich das Landgericht Berlin mit der Forderung Neumünsters nach Beteiligung an den Einnahmen beschäftigen: "Wir sind ein kleiner Zoo und finanzieren uns komplett selbst. Wir könnten das Geld gut gebrauchen", sagt Drüwa. Im Zoo Neumünster werden 730 Tiere gehalten, im Berliner Zoo mehr als 14 000.