Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
20. Mai 2009
Das Gezerre geht weiter
Die Zoos Berlin und Neumünster können sich auch vor Gericht nicht um Eisbär Knut einigen
BERLIN. Weil die Welt sich weiland in Knut verguckte, ist der Berliner Eisbär zur Marke geworden. Nun schachern die Zoos Berlin und Neumünster vor Gericht um die Einnahmen – und um die Antwort auf die Frage, was das wohl bekannteste Zootier der Welt kostet. Ein Gütevorschlag des Richters ist gestern in Berlin gescheitert.
Auch für Doris Webb ist es heute ernst. Deshalb steht sie an diesem Morgen schon früh vor dem Saal 150 des Berliner Landgerichts. Das graumelierte Haar hat sie in eine feine Welle gelegt, und an der Jacke des braunen Twinsets leuchtet ein Sticker: Knut forever in Berlin. Doris Webb hat mit ihren Mitstreitern 28 000 Unterschriften gesammelt. "Knut gehört in diese Stadt, er ist Berliner."Knut ist zwar ein echter Berliner, aber rechtlich gehört er dem Zoo Neumünster, was kein Mensch bestreitet. Knuts Papa Lars ist von dem kleinen Privatzoo an Berlin ausgeliehen worden. Der Vertrag über diesen Bärenverleih ist ein dürftiges Papier aus dem Jahr 1999 – wer konnte damals schon ahnen, dass Knut zum Weltstar werden würde?
Nun will der Zoo Neumünster wissen, wie viel Berlin aus den Markenrechten verdient hat – und, auch wenn das nicht Gegenstand des Verfahrens ist, seinen Teil abhaben. Von diesen Fragen kommen beide Seiten ganz schnell zum eigentlichen Verhandlungsgegenstand: Knut selbst. Der Richter Philip Hegermann, selbst hörbar Berliner, weiß, worum es hier geht: "Dieser Bär hat eine besondere Bedeutung für die ganze Stadt." Deshalb macht er einen Gütevorschlag: Für 700 000 Euro soll Neumünster das Tier an Berlin verkaufen. "Wenn Berlin einen so berühmten Bären hat, dann kann es es sich doch auch mal was kosten lassen, den Bären für Berlin zu sichern."
Werbung
Aber aus diesem gut gemeinten Vorschlag wird nichts. "Hier gibt es, pardon, keine Zockerei", sagt der Berliner Anwalt Joachim Gabler. Und außerdem: 350 000 Euro könne man zahlen – mehr habe der Finanzsenator nicht erlaubt. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Neumünster schlägt 500 000 Euro vor. Als der Anwalt schließlich ganz leise sagt, man könne Knut ja auch aus Berlin wegholen, da geht ein entsetztes Raunen durch den Saal. Der kleine Privatzoo, das ist klar, hat kein großes Drohpotenzial: Würde er Berlin seinen Bären nehmen, wäre ihm nicht gerade ein Sympathiepreis sicher.
Die Parteien wollen noch mal verhandeln. Es gibt eine neue Frist – binnen zwei Monaten sollen sie sich einigen, oder das Gericht entscheidet. Atempause für die Fans. Manche gehen jetzt erst mal in den Zoo. Vor dem Gehege des Eisbären hat sich eine eingeschworene Gemeinde den Tag in Schichten eingeteilt. Doris Webb gehört dazu. Fast stündlich landen neue Fotos im Netz. Knut beim Schlafen, Knut beim Kratzen, Knut beim Ansabbern eines alten Lappens. Webb geht fast täglich in den Zoo. "Drei Stunden sind wenig. Man muss ja wissen, was los ist. Dieser Bär agiert anders als andere." Zum Beispiel wie? "Zum Beispiel kann Knut sich mit der eigenen Kralle im Ohr popeln. Das ist doch außergewöhnlich."
Autor: Katja Bauer
Weitere Artikel: Panorama
-
Gefangen in der Freiheit: Zwei Ex-Häftinge in einem Dorf
Entlassen aus der Sicherungsverwahrung flohen zwei Männer aus Freiburg in die Nähe von Stendal. Nun wird dort zur Jagd geblasen. Mehr 5
-
Der Goldschatz aus der Bronzezeit
Ein Bulgare findet 4000 Jahre alten Schmuck / Fast wäre der – wie viele Funde in Bulgarien – Grabräubern in die Hände gefallen. Mehr
-
"Habe alles getan, was ich konnte"
Prozess um Tod Michael Jacksons beginnt / Leibarzt angeklagt. Mehr



