Berlin (ddp-bln). Warum haben Kamele Höcker? Müssen Fische Wasser trinken? Und warum frieren Eisbären in der arktischen Kälte eigentlich nie? Von solchen Fragen, die jeder kennt, der schon einmal mit Kindern im Tierpark war, kann Harro Strehlow gar nicht genug bekommen. Der 61-jährige Biologe wird von Herbst an die Junior-Zoo-Universität leiten, die derzeit vom Zoologischen Garten und dem Tierpark-Friedrichsfelde mit Hochdruck vorbereitet wird und am 7. November ihren Unterricht aufnimmt. Zehn- bis zwölfjährige Juniorstudenten dürfen ihren Dozenten dann Löcher in den Bauch fragen. «Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten», sagt der geduldige künftige Dekan mit dem grauen Vollbart.
Für die 50 Juniorstudenten aus Berlin und Brandenburg, die zuvor ein Bewerbungsverfahren überstehen müssen, beginnt im Herbst eine zwei Semester dauernde Weltreise - von Europa aus zu allen Kontinenten und den Polargebieten. In wöchentlichen Vorlesungen im Lichtensteinsalon des Zoo-Restaurants und später im restaurierten Schloss Friedrichsfelde sowie auf Exkursionen werden die Schüler ganz im Geiste der Brüder Humboldt, die für das Projekt Pate stehen, Tierwelten, Ökosysteme und fremde Kulturen kennenlernen und selbst erforschen. Dafür brauchen die Schüler Berlin nicht zu verlassen, denn der Zoo, mit 15 000 Tieren einer der artenreichsten Tierparks der Welt, deckt einen Großteil der weltweiten Flora und Fauna ab. Exkursionen in Berliner Museen, etwa zur Ausstellung über die Indianer Nordamerikas im Ethnologischen Museum, runden das Programm ab. Die anderthalbstündigen Vorlesungen und Feldforschungen finden jeweils Samstag vormittags statt und richten sich an Schüler der 5. und 6. Klasse.
Die Idee zur Junior-Zoo-Universität hatte Gabriele Thöne vom Zoo-Vorstand. Thöne möchte den Zoo, der soeben sein 165. Jubiläum feierte, als naturwissenschaftliche Institution wieder stärker in die Öffentlichkeit bringen. «Es geht darum, die Neugierde der Kinder zu fördern. Kinder sollten nicht nur Wissen konsumieren, sondern auch aktiv werden und lernen, Fragen zu stellen. Unsere Juniorstudenten sind in einem Alter, in dem häufig die erste Orientierung hin zu den Naturwissenschaften reift», meinte die 51-Jährige. Schließlich seien Naturwissenschaften wie geschaffen dafür, die Beobachtungsgabe zu schärfen und komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Derzeit finanzieren Zoo und Tierpark Friedrichsfelde die Universität allein, Sponsoren werden gesucht.
Bei den bislang angefragten Dozenten stieß der Zoo mit dem Projekt auf Begeisterung. «Jeder bekam gleich leuchtende Augen. Schließlich geht es darum, eigene Erfahrungen an die nächste Forschergeneration weiterzugeben», sagte Gabriele Thöne. Neben Universitätsprofessoren werden auch Tierpfleger aus ihrem Erfahrungsschatz berichten und die Studenten im Zoo leiten. »Wichtig ist uns, dass die Dozenten aus eigener Anschauung und mit Leidenschaften lehren, damit der Funke überspringt«, sagte Thöne, die noch nach weiteren Lehrern sucht.
Gegen eine kleine Verwaltungspauschale, die eine Versicherung und freien Eintritt in den Zoo beinhaltet, erhalten die Jungforscher dann im Herbst ihren Studentenausweis. Dass auch ein Termin mit Knut auf dem Studienplan stehen könnte, wenn es um die nördlichen Polarregionen geht, wollte Thöne nicht ausschließen. Schließlich stehe der Eisbär als Symbol dafür, um was es der Universität geht: »Wir wollen, dass die Kinder lernen, Verantwortung für unseren Planeten zu übernehmen und merken, wie verletzbar die Ökosysteme durch menschliche Eingriffe sind.'
(ddp)


























